
Teilnehmer: Joachim und Claus
Vorbereitung:
Und wieder einmal wurde unsere beliebteste Radreise-Region, das Ruhrgebiet, besucht. Da beide
Reisenden ein Deutschland-Ticket hatten, hielt sich der finanzielle Reiseaufwand in Grenzen.
Einziger Problempunkt war, dass zwischen Lippstadt und Hamm Schienenersatzverkehr (ohne
Fahrradmitnahme) eingesetzt war, so musste über Bielefeld mit einem zusätzlichen Umsteigen
angereist werden. Die Hotelreservierungen waren mitten in der Woche kein Problem.
Die Touren wurden
mit outdooractive erstellt und auf Smartphone übertragen.
Di. 19.5.26 (26 km Route
Teil1,
Teil2)
Damit wir genügend Zeit für unser heutiges Programm (Westfalenpark und Zeche Zollern) hatten,
suchte mein Mitfahrer eine frühe Zugverbindung heraus heraus: 7:43 Uhr ab Paderborn,
umsteigen in Bielefeld und Dortmund Hbf. Und gleich der erste Fahrstuhl in Paderborn war kaputt, das kann
ja heiter werden. Doch tatsächlich stellte sich heraus, dass dies bei der Bahnfahrt das einzige
Problem war. Auch sämtliche weitere Aufzüge funktionierten. Wir verließen die Bahn in Dortmund-Hörde
und radelten an Phoenix des Lumières vorbei zum Westfalenpark. An sich eine sehr schöne Strecke,
nur kam sie uns besonders bergig vor. Am Eingang des Westfalenparks gab's die nächste
Überraschung: dienstags uns mittwochs lohnt sich eine Öffnung des Florians (Fernsehturm) nicht mehr.
Nach kurzem Überlegen beschlossen wir, auf den Westfalenpark komplett zu verzichten. Da wir dort
auch etwas essen wollten, hielten wir nun auf der weiteren Route Ausschau nach einer Bäckerei. Die
werden leider immer seltener, doch in Dortmund-Dorstfeld hatten wir Glück: Bäckerei Uhlenbruch kam
uns gerade recht. Eine echte Bäckerei mit einer sehr netten Bedienung.
Auf der Weiterfahrt konnten wir auch endlich die Stadtstraßen verlassen. Zuerst fuhren wir sogar ein
Stück an der Emscher und etwas später entlang des Revierparks Wischlingen. Hier passiert man
einen See, der wohl noch nicht allzu lange existiert, denn er ist voll von abgestorbenen Bäumen.
Dann ging's wieder
an die Landstraße (L750), die wir erst direkt vor der Zeche Zollern verlassen konnten. Die Zeche Zollern
zeigte sich wieder in ihrer ganzen Schönheit, wenngleich strahlender Sonnenschein sie noch
schöner gemacht hätte. Zusätzlich zu den mir bereits bekannten Ausstellungen war eine weitere
dazu gekommen: Industrie-Insekten. Aber auch die anderen Ausstellungen lassen immer wieder Neues
entdecken. Und auf den rechten Förderturm kann man durch die Lesehalle über viele Stufen steigen.
Ein Muss ist auch die Maschinenhalle mit dem schönen Jugendstil-Portal.

Im Pferdestall gab es nun
ein Warmgetränk, denn das gute Wetter ließ immer noch auf sich warten. Zum Abschluss würdigten
wir noch die Industrie-Insekten, bevor wir uns auf den kurzen Weg zu unserer heutigen Unterkunft
machten, dem Vienna House auf dem Gelände von Schloss Goldschmieding. Ein einfacher Check-In sowie
das Unterbringen der Räder in einem Hotelgang erleichterten den Aufenthalt ungemein.
Nach etwas hin und her entschieden wir uns für das Essen im Hotelrestaurant, das war eine gute Wahl:
Lachs mit Rösti und Salat, sehr lecker!

Nach dem Essen machten wir eine Spaziergang in dem (nicht sehr großen) Schlosspark Goldschmieding. Hier blickt man von hinten auf das Schloss, umwandelt einen kleinen See und ein paar Skulpturen, das ganze ist von Wald umgeben. Doch gerade als wir uns am weitesten vom Restaurant (im Anbau vom Schloss) entfernt hatten, gab es einen Schauer. So flüchteten wir schnell zurück ins Restaurant und mussten leider noch ein Bier trinken. Den ganzen Rest des Abends hat es natürlich nicht mehr geregnet. Und bei großer Ruhe konnten wir hier auch sehr gut schlafen.
Mi. 20.5.26 (34 km
Route)
Nicht nur abends hatten wir gut gegessen, es gab auch ein tolles Frühstück mit allem, was man sich
wünscht. Da es draußen etwas tröpfelte, brauchten wir uns nicht einmal zu beeilen. Und später kam
sogar die Sonne durch. Unsere Radroute führte zunächst durch die Innenstadt von Castrop-Rauxel,
doch die gibt nicht viel her. Da unser heutiges Ziel dicht an der Emscher liegt, verließen wir
vor Holthausen die belebte Kreisstraße und fanden eine ruhige schöne Straße, die uns sowohl über die
A 42 als auch über den Rhein-Herne-Kanal und die Emscher führte. Direkt hinter der Emscher fährt man
auf den Emscher-Radweg, der fern von jeder Straße an der Emscher durch die Natur führt. Einziges
Problem sind nördliche Nebenflüsse der Emscher. Für Brücken war hier wohl kein Geld, so dass sie
teilweise weiträumig (bis zur ersten Brücke) umfahren werden müssen. Bei einer Umfahrung
verirrten wir uns auch noch auf einem Friedhof ...
Eigentlich war es jetzt nicht mehr weit bis zu Hotel, doch in Recklinghausen-Süd kommt man an einem
Höhepunkt der Route der Industrie-Kultur vorbei: dem historischen Umspannwerk, in dem sich jetzt ein
Elektrizitäts-Museum befindet. Wir einigten uns auf einen Besuch und es war tatsächlich sehr
interessant und empfehlenswert. Auch die Dampfturbine zur Stromerzeugung, die wir gestern in der
Maschinenhalle der Zeche Zollern gesehen hatten, wurde hier erklärt. Am spannendsten waren aber die
historischen Elektrogeräte vom Taschen-Plattenspieler bis zum ersten elektrischen Flipper.
Als wir danach zum Hotel kamen, konnten wir die Zimmer (im Neubau) bereits beziehen. Der Check-In war
allerdings lästig umständlich ebenso wie die Fahrrad-Lösung. Egal, wir konnten uns jedenfalls prima mit
wenig Gepäck auf den weiteren Weg machen. Da wir nach dem Frühstück noch nichts gegessen hatten, radelten
wir erst ins Zentrum von Recklinghausen-Süd, Hochlamarck. Hier fanden wir, was wir brauchten
(Pommes und Börekstick) und frisch
gestärkt ging es nun Richtung Halde Hoheward. Wir hatten soviel Schwung, dass Achim unterwegs sein Handy
verlor. Zum Glück fand er es nach kurzer Suche unbeschadet wieder und unsere Reise konnte weitergehen.
Ganz in der Nähe unseres Hotels muss an einer Schranke die Bahn überquert werden und die Schranke ist
meistens zu. Anlieger sprechen von Wartezeiten bis 45 Minuten. Diesmal hatten wir jedoch Glück und
bereits nach drei Zügen hob sie sich. Kurz danach verlässt man die Bebauung und radelt durch die Natur
bis zum Anfang des Landschaftsparks Hoheward, der über die berühmte Drachenbrücke erreicht wird.

Und
nach zwei kurzen Serpentinen ist man bereits auf dem wunderbaren Balkonrundweg um die Halde. Er verläuft
immer auf gleicher Höhe, ist ca 12 km lang und bietet elf Balkonstationen sowie eine Panorama-Brücke,
also ideal zum Radfahren.
Der erste Balkon war direkt bei unserem Einstieg und bietet einen Blick auf die Zeche Recklinghausen und das
Heizkraftwerk Herne. Das Wetter machte einen unsicheren Eindruck, es war aber nach wie vor trocken.
Wir radelten nun entgegen dem Uhrzeigersinn um die Halde und machten an jedem Balkon Station.
Hervorzuheben ist Balkon 4, denn hier wird eine Treppe gekreuzt, die bis hinauf zum Haldengipfel
mit Horizontobservatorium führt. Hier schlossen wir die Räder fest und machten uns auf den Weg
nach oben. Neben dem beeindruckenden Horizontobservatorium (Duchmesser ca. 100 m) war von hier auch
der Blick aufs Wetter spannend: sowohl im Norden als auch im Süden große Regengebiete, über uns
dunkle Wolken, aber auch Sonnenschein, vor allen aber ein Sturm, dass man mehr waagerecht als
aufrecht ging.

Weiter ging die schöne Balkonfahrt zu einem besonderen Balkon auf der Westseite, von dem man einen tollen Blick auf die Zeche Ewald mit zwei malerischen (unterschiedlichen) Fördertürmen hat. Wenn man Lust hat, kann man hier auch ein paar Treppen hoch zur Ewald-Empore steigen, von der nicht nur der Ausblick schöner wird, sondern man auch einen besonderen Horizontobservatorium-Blick hat. Drei Balkone weiter kommt die Panorama-Brücke, die sich dicht unter dem Horizontobservatorium befindet.

Da sich die Wolken immer mehr zusammenzogen, hielten wir uns nicht mehr lange auf. Und als wir die Halde wieder über die Drachenbrücke verließen, kamen die ersten Tropfen. Wir stellten uns kurz unter. Da es aber nicht nach Besserung aussah und der Regen auch nicht stark war, fuhren wir weiter – bis zu unserer Bahnschranke. Unter der Autobahnbrücke direkt davor konnte man eigentlich in Ruhe warten, doch zwischen den Schranken stand ein Güterzug und bewegte sich nicht. Da unsere Räder ja jetzt leicht waren, beschlossen wir doch lieber die Unterführung mit Treppe zu benutzen. Im Hotel legten wir uns trocken und trafen uns später zum Fahrrad versorgen und zum Essen im Restaurant Bergedick, das seit meinem letzten Besuch griechisch geworden war. Wir saßen gerade an unserem Tisch, da platzte ein Starkregenschauer los. Das Essen war auch sehr lecker, aber viel zu viel. Und Einpacken lassen ging ja auch nicht. Da im Restaurant auch morgens gefrühstückt wird, nahmen wir das letzte Bier mit in die Hotel-Lobby. Wg. des vielen Essens etwas unruhiger geschlafen.
Do. 21.5.26 (28 km
Route)
Das Frühstück war ebenfalls recht gut, wenngleich nicht ganz so wie im Goldschmieding. Achim wollte
sich gerne das Zentrum von Recklinghauseni ansehen. Da der Ort im 2. Weltkrieg nicht sehr zerstört
worden war, willigte ich ein. Zumal er dazu ein Zugfahrt vorschlug, denn wir wohnten ja beim Bahnhof
Recklinghausen-Süd und der Hauptbahnhof ist direkt am Zentrum (Entfernung ca. 8 km).
Auschecken war etwas einfacher als Einchecken, aber die Räder mussten umständlich geholt werden. Vor
dem Bahnhof war natürlich wieder die Schranke geschlossen, so trugen wir die
beladenen Räder die Treppe runter. Auf den Bahnsteig kommt man zum Glück über eine Auffahrt.
Am Hauptbahnhof klappte jedoch alles und unsere Innenstadt-Rundfahrt konnte beginnen. Recklinghausen
versprüht einen herben Charme mit einigen Jugendstil-Häusern, einem lebhaften Marktplatz ohne Autos
und einer schönen Stadtkirche St. Peter. Zum Abschluss durchquerten wir die gesamte Fußgängerzone
(Radfahren erlaubt!) bis hin zum Rathaus, das gerade außerhalb des Innenstadtrings liegt. Dann
ging's zurück zum Zug. Unser Gleis war sogar ohne Aufzug erreichbar. Auch in Recklinghausen-Süd
waren wir jetzt auf der Auffahrt-Seite, so dass die Tour gleich beginnen konnte. Zuerst kam ein
bisschen Natur, dann aber leider ein Gewerbegebiet, in dem ein LKW nach dem anderen an uns vorbei
donnerte. Zum Glück gab es immer Radwege.
Nun bogen wir ab nach Süden, überquerten erst die Emscher und dann den Rhein-Herne-Kanal, fuhren
durch ruhige Wohngebiete in Wanne und erreichten schließlich die Erzbahn-Trasse. Unser Einstieg
war auch nur einen Kilometer
südlich vom nördlichen Ende an der Grimberger Sichel. Jetzt wurde es spannend: hat Holgers Erzbahn-Bude
heute geöffnet? Und nach ca. 3 km wussten wir es: ja!!! Bei dieser Kult-Bude einzukehren ist für
jeden Radler ein Hochgenuss! Entsprechend voll war es auch schon – obwohl der Grill noch gar
nicht angeworfen war. So begnügten wir uns mit einem Getränk und genossen die Atmosphäre.

Jetzt hatten wir nur noch zwei Ziele: die Zeche Hannover und die beste Currywurst des Ruhrgebiets
vom Bratwursthaus im Bermuda3eck in Bochum.
Zur Zeche Hannover verfuhren wir uns leider sehr ungünstig: zwar nicht weit, aber dafür bergab, so dass
wir heute auch noch ein paar Höhenmeter bekamen. Die Zeche selbst mit dem charakteristischen
Malakow-Turm (Förderturm) konnten wir nur von außen bestaunen, da sie erst um 14 Uhr öffnete. So lange
hielten wir nicht ohne Essensnachschub aus. Also wieder Richtung Erzbahn-Trasse, dabei kommt man
durch die schöne Bergarbeiter-Siedlung Dahlhauser Heide.
Auf der Erzbahn-Trasse wartete noch ein Höhepunkt: die Doppelschwinge, mit der sowohl eine Kreisstraße
als auch die noch benutzte ThyssenKrupp-Bahn überquert wird. Jetzt noch um den Westpark mit
Bochumer Verein, das ist nicht der VfL, sondern die ehemalige Stahlhütte mit Jahrhunderthalle.
Schon waren wir in der Innenstadt (wie immer mit vielen Baustellen) und auf direktem Weg zum
Bratwursthaus. Die Currywurst schmeckte wie immer sehr gut, dazu gab's ein leckeres Fiege. Und beide
nahmen wir ein Glas mit der leckeren Curry-Sauce mit.

Der Bahnhof ist von hier so nah, dass man hätte schieben können und wir erreichten den Bahnsteig
pünktlich. Wer nicht pünktlich war, war unser Zug. Und nicht nur der: sämtliche Züge hatten
Verspätung von 20 bis 40 Minuten. So wurde die Wartezeit durch ständige Durchsagen interessant
gestaltet, nämlich wann die verspäteten Züge erwartet werden. Da in der Zwischenzeit weitere
Züge planmäßig hier halten sollten, schwoll dies Lawine immer weiter an. Und das an einem
normalen Donnerstag!
Unser Zug hatte 25 Minuten Verspätung, die aber bis Bielefeld nicht weiter anwuchs. Da die Züge
von dort nach Paderborn werktags alle halbe Stunde fahren, war der nächste dann gut erreichbar.
Aber selbst auf der einfachen Strecke von Bielefeld nach
Paderborn, wo nur diese Züge hin und her fahren, kann die Bahn
ihren Plan nicht einhalten: nach 40 Minuten waren wir gerade von Bielefeld bis Bielefeld-Sennestadt
gekommen, weil zweimal ein Gegenzug abgewartet werden musste. Irgendwann waren wir glücklich
in Paderborn angekommen, mussten wegen des kaputten Aufzugs noch einmal die Räder schleppen und
verabschiedeten und herzlich.
Auch heute Abend stand ein bedeutsames Fußballspiel an: Relegation VfL Wolfsburg gegen SC Paderborn,
das im Rückspiel am Pfingstmontag dem SCP den Aufstieg in die 1. Bundesliga bescheren sollte.
Fazit:
Das Ruhrgebiet: geliebt und gehasst, aber eine solche Vielfalt auf engstem Raum hat man
sonst nirgendwo in Deutschland. Unsere Schwerpunkte waren diesmal Zechen
(Zollern und Hannover), die größte Halde (Hoheward) und
Kultur einschließlich Industrie-Kultur. Eine schöne Bahntrasse hatten wir erst am letzten
Tag, dafür aber die schönste des Ruhrgebiets, die Erzbahn-Trasse. Und es gibt immer noch
offene Punkte, deshalb war dies sicher nicht die letzte Ruhrgebiets-Tour.
